Auf zum Nordkapp

Heute ist es soweit.  Wir werden das nördlichste Ziel unserer kleinen Ostseeumrundung erreichen, das Nordkapp. Wir haben am vorigen Tag wirklich schon schöne Ecken gesehen, aber die heutige Etappe von Olderdalen nach Olderfjord ist unbeschreiblich schön. Man fährt die ganze Zeit entweder direkt an Fjorden entlang oder überquert eine Bergkuppe oder ein Hochplateau.

Die Dichte der Wohnmobile nimmt zu und so ist es kein Zufall, dass man bekannte Gesichter trifft. Eine sehr freudige Überraschung. Aber die Gegend ist auch äußert einladend.

An einigen Stellen liegt wieder Schnee und überall findet man Rentiere. Wir unken schon, dass die aus dem ganzen Land zusammengecastet wurden, denn einige sind echte Schauspieler. Da wird lässig die Straße überquert, stehen geblieben, stoisch der Hibterlauf geleckt und dann ganz gemütlich weiter des Wegs getrabt. Echte Profis eben.

Die Landschaft ist heute definitiv der Hauptdarsteller.  Wir vergessen fast, einen runden Geburtstag zu feiern. Ganz nebenbei zeigt der Tachometer nämlich den Kilometerstand 250.000. Glückwunsch, auf dass noch viele Kilometer sich dazugesellen mögen.

Mit Kurs nach Norden nimmt auch die „Wärme“ wieder ab. Während wir an den Fjorden immer über zwölf Grad Celsius hatten, erreichen wir nun nur noch sowas um die sieben Grad. Kriechkälte. Auf den letzten Kilometern zum Nordkapp dann der legendäre Tunnel. Es geht auf minus 212 Meter unter Normalnull runter. Unter den Fjord. Mit 9% Gefälle. Und der gleichen Steigung. Beeindruckend, dass diese Passage auch die vielen Fahrradtouristen nehmen müssen. Für uns wäre das mit den ganzen Fahrzeugen und den Randbedingungen insgesamt absolut nichts. Ich verneige mich vor jedem, der das hier mit dem Drahtesel macht.

Die letzten Kilometer auf dem riesigen Felsbrocken im Eismeer ziehen sich wie Kaugummi. Es ist unschön zu fahren und die drängelnden italienischen oder norwegischen Busfahrer schaffen eine angespannte Atmosphäre. Aber dann plötzlich ist man da. Am Ende einer Schlange. In kürzerer Entfernung erkenne ich zwei Kassenhäuschen und ich erinnere mich an die Worte eines Kollegen „wenn du schon da bist, denke nicht nach, sondern zahl einfach, was die haben wollen“. Genau das tun wir, schweigend, mit weit geöffneten Augen. Aber dafür dürfen wir auch 24 Stunden auf einem unbefestigten Sandparkplatz verweilen.

Das Nordkapp-Center ist wirklich toll gemacht. Es besteht aus dem Duft von Waffeln und einem riesigen Souvenirshop. Vordergründig. Denn es gibt noch weitere Etagen. Das Nordkapp hat zum Beispiel nicht nur eine eigene Postleitzahl, sondern auch ein eigenes Postamt. Was hier eingeworfen wird, bekommt den hiesigen Poststempel.

Neben diesen sehr witzigen Details hat man auch ein eigenes Museum entwickelt, mit eigenem Kino für den extra eigens produzierten Film. Klar, die finanziellen Mittel durch Eintrittsgelder dürften vorhanden sein. Aber es ist schon alles stimmig und macht auch Spaß. Und: es ist warm. Das wichtigste ist aber selbstverständlich das Foto mit dem Globus. Hierfür kommt man her. Und hierfür wartet man auch ein paar Stunden, denn in der Zeit von 1.00 Uhr bis 6.00 Uhr darf man mit dem Fahrzeug aufs Gelände.  Und genau darauf warten wir gerade, bei vier Grad Celsius, Und dem Wechselspiel von Schnee und Sonne. Und genau dieses Foto ist die heutige Tagesaufgabe.

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