Tag 6

…. oder der Tag des fallenden Zweirades. Der Morgen zeigt sich eindeutig versöhnlicher. Der Wind hat ein bisschen nachgelassen und wir genießen gelegentliche Sonnenstrahlen bei nunmehr sieben Grad. Es gibt lecker Knäckebrot und Kaffee. Unser heutiger Weg soll uns entlang der Fjorde einmal quer rüber mindestens bis Tromsø bringen. Das sieht auf der Karte nicht so weit aus, aber zeitmäßig ist das schon anspruchsvoll, denn man ist häufiger damit beschäftigt, einen Berg hochzukraxeln oder runterzupurzeln. Dafür ist diese Strecke aber dermaßen ansprechend, dass die Fotoapparate im Dauereinsatz sind und ich jetzt schon weiß, dass ich das Video der Dashcam häufiger ansehen werde.

Unser Frosch musste morgens ein wenig motiviert werden. Kälte mag Kermit nicht ganz so gerne, schon gar nicht mit der Nase in den Atlantikwind geparkt. Zum Glück hält das Murren nicht lange an und der Fünfzylinder schnurrt wieder wie ein Kätzchen. Spötter hatten schon gefragt, wie viele Schlagzeuger wir im Motorraum versteckt haben, aber zumindest ich habe mich an das Genagel eines Diesels ohne jedwede Zusatzaggregate gewöhnt. Kein Turbo, keine Ladeluftregulierung, kein Schnickschnack. Er ist zwar laut, aber mordzuverlässig und gar nicht mal so durstig. Wir bleiben permanent unter zehn Litern, pendeln uns sogar im Bereich von 6 bis 7,5 Litern auf 100km ein. Das finden wir sehr gut.

Auf der Straße ist heute einiges los. Zunächst geben wir einem älteren polnischen Pärchen Starthilfe. Witzigerweise hat der Mann erst gestern einem anderen Team von uns an den Bremsen geholfen. Da revanchiert man sich doch gerne.

Kurze Zeit später bemerken wir, wie im Gegenverkehr eine Motorradfahrerin am Berg ins straucheln gerät und mit der Maschine umkippt. Sie hat so viel Schwung, dass sie sogar noch einen Purzelbaum in den Graben daneben macht. Ich kann gar nicht so schnell gucken, wie Karsten angehalten ist und beim Aufsteigen hilft. Scheinbar ist heute Samaritertag.

Nochmal kurze Zeit später in einer Ortschaft. Zwei Schulkinder auf Fahrrädern überqueren den Zebrastreifen vor uns. Eines der beiden Mädchen verdreht den Kopf so sehr nach unserem Auto, dass erneut ein Zweirad in unserer Anwesenheit auf der Seite liegt. So umwerfend waren wir lange nicht. Dankenswerterweise helfen sich die Kinder noch gegenseitig und es ist scheinbar nichts schlimmeres passiert.

Wir kommen zur heutigen Tagesaufgabe. Over the top heißt sie. Wir sollen im Armdrücken mindestens einmal gegen einen Trucker gewinnen. Dann sucht man sich eben Gegner in seiner Liga.

Der Tag gipfelt hervorragend mit einem Rastplatz direkt am Fjord. Es ist nicht so kalt wie gestern, dafür gibt es ein beheiztes Toilettenhäuschen, das einem in Anbetracht der derzeitigen Temperaturen wie eine Sauna vorkommt.

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