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oder einfach „die Statistik“. Wir sind in den 16 Tagen 8601 Kilometer gefahren – das sind mehr als 535 Kilometer pro Tag – und haben dabei 666 Liter Diesel verbraucht. Das ist ein Schnitt von nicht ganz 7,75 Litern/100 Km. Damit sind wir super zufrieden. Wir haben nur einen wirklich nennenswerten Defekt gehabt (Batterie), den wir auch noch selbst verursacht haben. Das Auto hat klasse durchgehalten und würde diese Route mit Sicherheit noch einmal schaffen.

Es wurden sage und schreibe 19,- Euro für Übernachtungen ausgegeben. In Worten – neunzehn – Euro. Futter und Getränke waren ein bisschen mehr, aber das liegt an jedem selbst. Trinkwasser gab es überall und umsonst. Teuer war nur die Fährbenutzung und der Zugang zum nördlichsten Festlandpunkt.

Wir haben sehr viel an Erfahrungen, Eindrücken und Emotionen mitgenommen. Viele Orte kommen auf die Liste „nochmal besuchen“, andere sind davon gestrichen. Durch die Bank haben wir fast nur nette Menschen kennengelernt. Alle sind furchtbar offen und wir als manchmal doch sehr verbitterte Mitteleuropäer können hier sehr viel lernen. Es wird sicher noch Tage oder Wochen dauern, bis alles verarbeitet ist. Aber eines ist nach dieser Tour auf jeden Fall sicher – alles, wirklich alles ist irgendwie machbar. Und niemand muss Schlimmes oder Schlechtes alleine durchstehen. Die unglaublichsten Geschichten sind uns über den Weg gelaufen. Da wurde geholfen, organisiert und wie Teufel improvisiert. Sicher wird es bei persönlichen Treffen mit uns nur so sprudeln.

 

Finnland

Vom Nordkapp führt uns unser Weg weiter nach Finnland. Prinzipiell gibt es nun vier Möglichkeiten. Gleich in Kirkenes über die Grenze nach Russland, einen Abstecher nach Finnland machen und zurück nach Kirkenes, in Finnland bis nach Ivalo und dann dort zur Grenze oder den Schweif einklemmen und Russland meiden, sprich bis Helsinki in Finnland weiterfahren.

Wir wollen alles. Also fahren wir bis Ivalo. Auf dem Weg dorthin besuchen wir durch Zufall ein altes Feld-Lazarett aus Weltkriegszeit. Zufall, denn eigentlich ist es ein Parkplatz mit Picknicktisch. Aber hinter einem recht ansehnlichen Erdwall kommt eine verlockende Hängebrücke über den Fluss. Sie ist bestimmt 40m lang, hat an den Verbindungen das Potpourri der guten Laune von fehlenden Schrauben und hervorstehenden Nägeln. Sie wackelt herrlich. Also geht es natürlich rüber.

Der Ort selber ist beängstigend. Mitten im Wald verwittern Ausrüstungsgegenstände, Laster, Betten und Kanister. Man erkennt noch die Grundrisse. Hinweisschilder weisen einem den Pfad und sind dankenswerterweise mehrsprachig. Besonders interessant finde ich den eindrücklichen Hinweis darauf, den Pfad auf gar keinen Fall zu verlassen. Die werden wissen warum.

In Finnland selbst ist die Gegend geprägt von Wasser. Wer auch nur ansatzweise etwas unter Garantie am Wasser machen möchte, kommt hierher. Wahrscheinlich angelt auch der größte Laie hier dicke Fische.

In Ivalo selbst gönnen wir uns einen Campingplatz. 19,-€ die Nacht und die Duschen sind schlichtweg der Hammer. Es läuft permanent eine BBQ-Hütte im lappischen Stil. Ankommen und losgrillen. Feine Sache. Wer mag, darf im angrenzenden Fluss baden. Sollte ich jemals wieder herkommen, dann hier.

Der Straßenbau in den unterschiedlichen Ländern ist auch sehr interessant. Man merkt das auch an der Planung. Während hierfür in anderen Ländern sicher sehr viel Zeit und Aufwand investiert wird, wird in Finnland eine Linie von A nach B gezogen und dann Asphalt drauf genagelt. Kein Höhenausgleich, keine Niveauregulierung. Man fährt im Prinzip das innere einer Wellpappe in groß ab. In Norwegen hingegen plant man derzeit diverse Abkürzungen der Küstenstraße und bohrt wie verrückt Tunnel.

Die Lofoten

Heute ist der fünfte Tag, den wir ausschließlich auf den Lofoten verbringen werden. Es fängt damit an, dass wir in der Stadt mit dem unwahrscheinlich langen Namen Å frühstücken. Auf einem Parkplatz lassen wir uns nieder und beobachten andere Touristen. Herrlich, dieses „Leute gucken“. Eine entspannendere Tätigkeit kann ich mir nicht vorstellen. Wir sitzen unweit eines riesigen Gestells voll Stockfisch. Man riecht es auch auf der ganzen Inselkette, aber wer vorher Surströming genossen hat, empfindet das hier als Deodorant.

Langsam trödeln wir die 125km zum heutigen Ziel ab. Immer wieder wechselt das Wetter, weil die Wolken je nach Höhe des Anfluges an den Bergen hängen bleiben oder eben nicht. Da wir die meiste Zeit auf der dem Atlantik abgewandten Seite verbringen, ist das heute wirklich auffällig. Was uns hier noch auffällt: wie halten sich die Bäume auf dem Gestein? An einigen Stellen ist wirklich nur Fels und trotzdem steht ein Baum drauf. Karsten tippt auf Klettverschlüsse, um die Touristen zu ärgern. Wir einigen uns darauf und dösen hier und dort noch am Strand mit dem Blick auf das Wasser. Da wir das abwechselnd machen, kann sich der eine für das Geschnarche des anderen jeweils bei den umliegend Anwesenden entschuldigen.

Unser Ziel ist heute die Midsommar-Party in Hov. Ein Campingplatz mit angrenzenden Golfplatz. Der Veranstalter hat extra eine kleine Bucht ausgesucht, in der man den Verlauf der Sonne knapp über dem Wasser hervorragend verfolgen könnte.

Soweit kommt es jedoch nicht, denn die Wetterlage lässt die Anwesenheit der Sonne nur für kürzeste Augenblicke erahnen und der Wind ist echt fies. 4Grad Celsius (ohne den Wind), die bisher kälteste Nacht. Trotz dreilagiger Bekleidung in den Dimensionen von „dick“ bis „kurz vor Flokati“ frieren wir. Der Wind hat es echt in sich.

Eigentlich sollen hier alle Teams zum ersten mal zusammenkommen und einen lustigen Abend verbringen, aber einige schreckt das Wetter und sie ziehen weiter.

Wir bleiben und wollen wenigstens die Dusche nutzen, wenn man schon mal auf einem echten Campingplatz steht. Danach werden wir noch ein bisschen grillen und den Abend im Schutze unserer fahrenden Schrankwand ausklingen lassen.